Maxi-Race in Annecy Trail

Salomon Ultra Running Academy: Der Trip nach Annecy

Maxi-Race Annecy

Schwer zu beschreiben, was ich gerade denke. Dienstag, 7:52 Uhr. Die Bahn zum Flughafen hat Verspätung. Ich bin nervös. Aufgeregt. Gespannt, aber nicht angespannt. Etwas müde, weil ich schlecht geschlafen habe. In sieben Stunden werde ich in Frankreich sein, beim Grund für die ganze Aufregung. Salomon. Annecy. Maxi Race.

In der Nacht wurde in Manchester ein Anschlag verübt – die erste Nachricht, die ich lese, weil ich nicht schlafen kann. 19 Tote, viele Verletzte. Wir haben zwei Briten dabei in unserer Gruppe, Rob und Michael, an die ich denken muss. Ein Schatten legt sich auf den Tag, der für mich einer der schönsten meines bisherigen Läuferlebens ist. Was für ein Privileg, so etwas machen zu können.

Wie gut geht es mir doch, wie glücklich kann ich sein! Warum kann nicht jeder Tag für jeden so besonders sein? Besonders schön sein. Doch anderswo werden Menschen ermordet, in Afrika verhungern und verdursten sie, in China findet ein grausames Hundeschlachtfest statt. Man denkt, man sei weit weg davon, doch in Wirklichkeit ist man nah dran und mittendrin. Das muss man sich immer wieder bewusstmachen. Und der Welt etwas zurückgeben, etwas Lebendiges, Pulsierendes.

Schon als ich am 18. Februar erfuhr, dass ich als einer von 16 Europäern für die Ultra Running Academy von Salomon ausgewählt wurde, war mein Herzschlag merklich beschleunigt. Damals wusste ich noch nicht wirklich, was auf mich zukommen würde. Mittlerweile habe ich zumindest eine vage Vorstellung davon.

Am Ende der Academy steht das Ultra Maxi Race rund um den See von Annecy. 110 km. 7000 Höhenmeter. Dessen Streckenprofil in etwa so aussieht wie mein Herzschlag beim Betrachten desselbigen: Steil hoch, steil runter, steil hoch, steil runter. Auf was hab ich mich da eingelassen?

Bis zu meiner Bewerbung für diese großartige Aktion von Salomon hatte ich nicht wirklich Erfahrung in Sachen Trail und bergigen Läufen. Ich hatte gerade meine Marathon-Bestzeit in Frankfurt auf 2:54 Stunden geschraubt und zuvor beim Taubertal 100 meinen ersten 100-km-Lauf in 9:15 Stunden gemeistert. Beides flache Läufe. Ich BIN ein Flachlandläufer.

Zweimal allerdings wurde es auch bei mir etwas bergig. Sagen wir hügelig. Sagen wir etwas weniger flach: Meinen ersten Ultra überhaupt lief ich letztes Jahr im Burgwald und konnte den sogar gewinnen. 54 Kilometer. 800 Höhenmeter. Und beim Bilstein Ultra, dessen Motto lautet „Flach ist anders“, wurde ich Anfang des Monats Zweiter. 1500 Höhenmeter auf 57 Kilometern. Ich hatte Krämpfe am Ende und konnte schon ab etwa km37 kaum mehr die Steigungen laufen. Wie soll das nur in den südfranzösischen Alpen werden?

Vor fünf Jahren habe ich mit dem Laufen begonnen – und es hat mein Leben verändert. Vor drei Monaten erst hab ich richtig mit dem Traillaufen begonnen und bin seitdem mehr Höhenmeter gelaufen als in all den Jahren zuvor – ich will es nicht mehr missen! Heute ging's zum Abschied an die Kaskadentreppen, bevor ich Dienstag nach Frankreich zu dem Lauf fliege, der mein Leben noch einmal verändert hat, schon jetzt: das Maxi-Ultra-Race in Annecy. Danke an @salomonrunning für den großartigen Support und die einmalige Chance, bei der #ultrarunningacademy2017 dabei sein zu dürfen! Jetzt ist es endlich bald soweit. #timetoplay. #running #instarunners #veganrunners #ultramarathon #ultrarunning #salomonrunning #SalomonUltraPlayers

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Nicht, dass ich nicht trainiert hätte! Seit Beginn des Jahres bin ich 1850 Kilometer gelaufen. Wenn ich laufen gehe, sind es im Schnitt fast 22 Kilometer, die ich pro Training unterwegs bin. Inklusive einiger Steigungen, denn seitdem ich von Annecy weiß, habe ich überwiegend im Kasseler Habichtswald trainiert oder bin die Kaskadentreppen rauf und runter gelaufen. Rund 2500 Höhenmeter pro Woche. Getoppt von der Teilnahme am Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon, wo ich in einer Staffel 43 Runden unterwegs war mit am Ende allein gut 3800 Höhenmetern. Was so ziemlich das Verrückteste war, das ich bisher gemacht habe. Es geht Schlag auf Schlag: Diesen Titel wird sich das Maxi Race am Samstag holen. Ohne Zweifel. Egal, wie es ausgeht.

Mein Laufen hat sich verändert. Danke, Salomon!

Ich habe das Training auf nicht befestigten Wegen lieben gelernt. Ich liebe das Laufen durch Wälder, über Wiesen, Stock und Stein. Den Downhill, vor dem ich nach einigen Stürzen einen Riesenrespekt habe. Die Quälerei bergauf. Das Powerhiking. Sogar den Stockeinsatz. Die Pausen beim Laufen, weil ich einfach mal tief durchatmen und die Schönheit um mich herum genießen muss. Die Entschleunigung, weil nicht die Sekunde zählt, sondern der Moment. Ich liebe es, nicht auf die Pulsuhr zu schauen, sondern in mich hinein und auf meinen Körper zu hören. Keine Ahnung, warum ich das alles erst so spät entdeckt habe. Aber jetzt ist sie da, diese andere, fast spielerische, kindliche Freude am Laufen. #timetoplay

Und ich habe neue Freunde kennengelernt: Anna, Stephi, Max, Klaus, Benjamin und einige mehr. Darunter sicher auch Menschen, die ich erst noch kennenlernen werde. In wenigen Stunden zum Beispiel. Großartige Läufer, bei deren bisherigen Läufen und Leistungen ich vor Ehrfurcht erblasse: Ultrarunnergirl Stephanie, Maartje, Siebrig, Michael, Rob und all die anderen Teilnehmer der Academy. Wenn ich mich nicht ganz täusche, bin ich der Opa unter den Studenten – mit frischen 44 Jahren allerdings im besten Ultraläuferalter. Immerhin. Den Rekord halte ich schon mal.

Ich mache mir nichts vor: beim Maxi Race geht es ums Ankommen, nicht um die Platzierung. Ich brauche mich also überhaupt nicht unter Druck setzen, was bei mir viel zu oft dazu führt, dass ich das Rennen zu schnell angehe und hinten raus Probleme bekomme. Hier könnt ihr mir am Samstag folgen, Startnr. 38, Nahler (nicht Nähler – das können die Franzosen nicht so gut 😉 .

Es wird viel von der Ernährung abhängen. Ich bin die Berge nicht gewohnt. Diese Belastung, die auf wenigen Kilometern mehr Energie frisst als ein schneller Marathon im Flachen. Ich habe viele Fragen, die ich denen stellen werde, die in diesem Sport ganz besondere Athleten sind. Dafür ist es schließlich eine Akademie. Die Salomon Ultra Running Academy 2017. Und am Samstag geht es um 1.30 Uhr auf die Strecke.

Ich werde weiter berichten in den nächsten Tagen und hoffe, dass ihr dann wieder dabei seid.

über

(* 1973). Ich lebe seit Ostern 2012 vegan. Seit 2013 laufe ich nun Marathon. Zeit, etwas Neues zu probieren: Nachdem ich 2016 meinen ersten 100-km-Lauf absolviert habe, ist für April 2018 der Lauf meines Lebens geplant: die Teilnahme am Etappenlauf Marathon des Sables. In diesem Blog berichte ich über meine Vorbereitung auf diese Mutter aller Wüstenläufe.

  1. Sehr, sehr geil die Geschichte. Ich drück dir ganz fest die Daumen . Ich hab noch knapp 4 Wochen zum Highlight an-auf-um die Zugspitze. Also viel Erfolg und Vor allem Spaß

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