Blog Marathon des Sables

Mohamad Ahansal: „Das Überleben in der Wüste war nicht einfach“

Mohamad Ahansal

„Trocken und heiß ist ideal für mich.“ Das sagt einer der besten Wüsten- und Ultraläufer der Welt, Mohamad Ahansal. Ich habe mit dem fünfmaligen Sieger des Marathon des Sables gesprochen.

Seit November wohnt der Marokkaner, der bei seinen 19 Teilnahmen am Wüstenlauf zudem 10 x Zweiter wurde, in der bayerischen Gemeinde Tiefenbach. Als ich zufällig in der Passauer Neuen Presse davon las, war mir sofort klar, dass ich den 44-Jährigen für diese Seite und meinen Podcast haben will.

Und, was soll ich sagen, es hat geklappt! Heute hatte ich ein tolles Gespräch mit Mohamad, der sich eine Dreiviertelstunde Zeit für meine Fragen genommen hat – und das, obwohl er morgen in seine Heimat fliegt. Vorweg: Er war ein wunderbar angenehmer und sympathischer Gesprächspartner.

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Bevor ich mich daran setze, den Podcast zu bearbeiten, hier schon einmal ein paar Auszüge aus unserem Gespräch.

Update: Der fertige Podcast mit Mohamad Ahansal ist hier zu finden.

Denn ich war unter anderem ganz neugierig, wie sich Mohamad im letzten Jahr beim Badwater Ultramarathon über 135 Meilen (217,26 km) geschlagen hat. Im Vorfeld unseres Gesprächs hatte ich von seiner Teilnahme gelesen, dann aber in den Ergebnissen entdeckt, dass er aussteigen musste. DNF.

Woran es lag, wollte ich wissen – hier seine Splits bis zum Ausstieg:

  • 17,4 Meilen (28 km) in 2:35 Stunden,
  • 41,9 Meilen (67,5 km) in 7:17 Stunden,
  • 72,3 Meilen (116,4 km) in 16:19 Stunden.

Mohamad Ahansal: „Auch 63 Grad waren okay“

Mohamad, du bist in Marokko aufgewachsen, jetzt wohnst du in Deutschland. Wie kommst du mit dem Wetter hier klar? Ist dir Hitze lieber oder Kälte?

Ich bin jemand, der den Wechsel gern mag und ganz verschiedene Bedingungen erleben will. So ist es auch mit dem Laufen, ob Kälte oder warm oder heiß, das ist ganz unterschiedlich.

Du und dein Bruder, ihr habt in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Marathon des Sables dominiert. Das ist ein ganz extremer Lauf mit Temperaturen um die 50 Grad. Jetzt bist du aber im letzten Jahr auch Badwater gelaufen. Das ist ja eine ganz andere Hitze, wie war das für dich?

Dieser Lauf war eigentlich schon lange mein Wunsch, aber es hat nie geklappt wegen des Wüstenmarathons, meinem großen Ziel im Jahr. Aber ich wollte dann einmal etwas anderes machen. Zu dieser Zeit hatte ich aber etwas Probleme mit dem Knie, die Hitze war nicht das Problem. Für mich war es ein ganz anderer Lauf, die Länge oder Hitze waren nicht die Schwierigkeit, sondern das Knie und die Straße, also Asphalt. Das war ein Unterschied zu dem, was ich gewohnt bin.

Die Hitze in der Wüste ist eine trockene. Beim Badwater herrscht eher eine feuchte Hitze…

Genau, aber das habe ich schon oft erlebt. Ich bin in La Réunion, Teneriffa oder La Palma gelaufen. Wenn es so heiß und feucht ist, ist es für mich ein bisschen schwieriger. Ist es heiß und trocken wie im Iran oder in Marokko, ist es ideal für mich, egal, ob es 50 Grad sind. Im Iran hatten wir sogar 63 Grad, aber das war okay.

Bei den Etappenläufen gibt es ja oft, wie auch beim Marathon des Sables, eine lange Etappe. Während die ersten Tage über 30-40 Kilometer laufen, kann die auch 90 Kilometer lang sein. Ist das die entscheidende Etappe für die, die vorn mitlaufen wollen? Machen viele den Fehler, auf den anderen Etappen das Rennen zu schnell anzugehen?

Ja, das kann ich schon sagen. Auf dieser Etappe kann man am meisten verlieren und Fehler machen, dann ist es zu spät. Wenn man etwa vorher nicht genug schlafen kann oder Durchfall hat. Wenn man aber gut in Form zu dieser Etappe kommt, dann hat sich der Wüstenmarathon erledigt (im guten Sinne).

Bist du bei deinen Teilnahmen auch schon mal an deine Grenzen gelangt, also mental, nicht körperlich? Was hat das ausgelöst, wie kann man darauf reagieren?

In der Zeit, wo ich den Wüstenmarathon gewonnen habe oder Zweiter wurde, bin ich auch oft an meine Grenzen gestoßen. Ich habe das meistens überwunden durch mentale Arbeit. Wenn ich an eine Schwierigkeit komme oder es ist hart oder ich bin müde, dann habe ich immer versucht, in eine andere Denke zu gelangen. Und dann kommt wieder eine andere Energie und dann mache ich weiter. Meistens habe ich auch an meine Kindheit gedacht und an das Überleben in der Wüste. Das war nicht einfach, da zieht man Energie draus. Das macht es leichter, dadurch kommt man über solche Punkte.

Viele weitere Informationen gibt es in meinem Podcast, den ich in den nächsten Tagen veröffentliche. Darin sprechen wir über Ernährung, Training, den Trans Atlas Marathon in Marokko, den Mohamad organisiert und für den es übrigens im Mai noch ein paar Startplätze gibt, und vieles mehr. Natürlich informiere ich auch in meinem Newsletter, sobald der Podcast erscheint.

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Der Trans Atlas Marathon 2016

über

(* 1973). Ich lebe seit Ostern 2012 vegan. Seit 2013 laufe ich nun Marathon. Zeit, etwas Neues zu probieren: Nachdem ich 2016 meinen ersten 100-km-Lauf absolviert habe, ist für April 2018 der Lauf meines Lebens geplant: die Teilnahme am Etappenlauf Marathon des Sables. In diesem Blog berichte ich über meine Vorbereitung auf diese Mutter aller Wüstenläufe.

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